Erstellt am: 09. 09. 2013
Kategorie: Aktuelles

Mitteldeutscher Marathon


Thomas König “bremst und zieht” Robby Kämmler unter die magischen 3:00 Stunden.

Leichtathletik 
Familiäres Miteinander

VON PETRA SZAG / MITTELDEUTSCHE ZEITUNG VOM  02.09.2013


Der Mitteldeutsche Marathon von Spergau nach Halle glänzt nicht durch schnelle Zeiten, sondern durch rührende Geschichten.
HALLE/MZ. 

Thomas König schien das personifizierte Glück. Der 48-Jährige - klein, drahtig, durchtrainiert - lachte laut auf, während er seinem Freund die Schulter tätschelte. Und freute sich wie ein kleines Kind mit dem zwei Jahre älteren Robby Kämmler über dessen dritten Platz beim Mitteldeutschen Marathon gestern in Halle.

Dabei hätte eigentlich König mit oben auf dem Podest stehen müssen. Das Zeug dazu hatte er allemal. Und auch von allen Teilnehmern dieser zwölften Auflage die schnellste Ausgangszeit. Doch selbst auf dem - wie man landläufig sagt - undankbaren vierten Platz fühlte er sich wie ein Sieger: „Mein Glück ist es, andere am großen Glück teilhaben zu lassen, ihnen meine Erfahrungen weiterzugeben. Was gibt es Schöneres als jemandem zu helfen, sich seinen Traum zu erfüllen“, sagte der Mann aus dem erzgebirgischen Bockau.

Als Hase für den Freund

Dass Kämmler nämlich zum ersten Mal die 42,195 Kilometer unter drei Stunden schaffte, war auch Königs Verdienst. In den letzten beiden Jahren war Kämmler jeweils knapp über dieser ominösen Marke geblieben, die er doch so gerne einmal knacken wollte. Deshalb hatte König in den letzten zehn Wochen das Zepter in der Vorbereitung seines Kumpels übernommen. Und während sie von Spergau über Leuna, Merseburg, Schkopau und Holleben Richtung Halle liefen, gab König also, statt selbst auf Sieg zu rennen, den Hasen, machte das Tempo und sorgte dafür, dass der eine oder andere Durchhänger überspielt werden konnte.
Im Ziel ließ er Kämmler den Vortritt. Und für ihn zeigte die Uhr 2:56:10 Stunden an: Mission erfüllt! „Dabei hätte er mich locker überspurten können, und nicht nur mich,“ sagt der Drittplatzierte.

„Ich habe in meinem Leben so viele Wettbewerbe gewonnen“, sagte König, selbst deutsche Meistertitel sind darunter. Ein vierter Platz unter diesen Umständen war ihm aber nicht weniger wert.

Dem protokollarischen Sieger waren im Augenblick seines Triumphes die Begleitumstände egal. Von dem taktischen Geplänkel Königs wusste Steffen Großer nichts, aber ihm war durchaus klar, dass er mit seiner Zeit von 2:51:08 Stunden auch deshalb am Hansering als Erster ins Ziel gestürmt war, weil die Profis lieber Ende des Monates in Berlin um das große Geld mitlaufen wollen. „Wer nicht zum Tanz geht, der kann auch keine mit nach Hause bringen“, sagt Großer augenzwinkernd. Dass der Hotelier aus dem sächsischen Erlabrunn mit seinen 50 Jahren allen die Hacken zeigen konnte, hatte vorab wohl kaum jemand erwartet. Wie König und Kämmler ist auch er viele Jahre beim MDM dabei, nutzt ihn als Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften im Oktober.

Dieser familiäre Charakter, das Mit- statt Gegeneinander ist ein Pfund, mit dem die Veranstalter um Andre Cierpinski wuchern. 5 050 Mitstreiter hatten sie so an die Startlinie gelockt. „Wir wollen, dass die Leute gerne kommen, und auch gerne wiederkommen“, sagte Cierpinski. Insbesondere die Neueinsteiger hofft er bei der Stange halten zu können.

78-Jähriger schafft Halbmarathon

Zu den „Neuen“ zählte Günter Topf definitiv nicht. Der Hallenser ist von Anfang an dabei und mit seinen 78 Jahren war er nun einer der ältesten Starter überhaupt. Für den pensionierten Ingenieur sind beim Halbmarathon 2:21 Stunden gestoppt worden. „Aufgeben? Sowas gibt es für mich nicht“, sagte er. Im Vorjahr war Topf gestürzt, hatte sich einen tiefen Riss am Ellbogen zugezogen und war doch bis ins Ziel gerannt.

Schnellster über die 21 Kilometer war Lokalmatador Falk Cierpinski. Seine 1:05:18 Stunden sind die sportlich wertvollste Zeit der 14 Wettbewerbe.

 

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